Verleihung der Bürgermedaille
Erstelldatum10.01.2026
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
liebe Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
wir befinden uns heute Abend in einer besonderen Sitzung. Es ist die letzte Gemeinderatssitzung des Jahres 2025, sie ist geprägt von wichtigen Entscheidungen für die Zukunft unserer Gemeinde, so bspw. mit dem Beschluss des Haushalts 2026. Es ist jedoch auch eine Sitzung, ein Moment, der innehalten lässt. Ein Moment, in dem nicht Zahlen, Paragraphen oder Projekte im Mittelpunkt stehen, sondern Menschen.
Gemeinden leben nicht von Haushaltsplänen, zumindest nicht von Haushaltsplänen allein. Sie leben von Haltung, von Verantwortung und von Menschen, die über viele Jahre hinweg mehr tun, als man von ihnen erwarten kann. Menschen, die sich einbringen, die mitdenken, mitgestalten, mittragen – oft still, oft selbstverständlich, aber immer mit großer Wirkung für das Gemeinwohl, für unser Gemeinwohl.
Die Bürgermedaille der Gemeinde Dossenheim ist eine bedeutende Auszeichnung und Form der Wertschätzung. Sie steht für Dank, für Anerkennung und für Respekt gegenüber Lebensleistungen, die unsere Gemeinde geprägt haben. Sie wird nicht häufig verliehen – und das ganz bewusst. Denn sie ist jenen vorbehalten, die sich in besonderer Weise und über einen langen Zeitraum um Dossenheim verdient gemacht haben.
Heute ehren wir drei Ehepaare. Das ist kein Zufall. Denn Engagement ist selten eine Einzelleistung. Es braucht Rückhalt, Verständnis, gemeinsame Überzeugungen – und oft auch die Bereitschaft, private Zeit zugunsten der Gemeinschaft zurückzustellen. Wer sich über Jahre oder Jahrzehnte engagiert, tut dies fast immer im Miteinander. Als Paar. Als Team.
Mit der heutigen Verleihung würdigen wir daher nicht nur einzelne Tätigkeiten oder Funktionen. Wir würdigen gelebte Verantwortung, Verlässlichkeit und die tiefe Verbundenheit mit unserer Gemeinde. Wir würdigen Menschen, die Dossenheim mit ihrem Wirken menschlicher, lebendiger und stärker gemacht haben.
Es ist mir eine große Ehre – und eine persönliche Freude –, die Bürgermedaille der Gemeinde Dossenheim heute an Gisela und Claus Clausen, an Angelika Hildebrandt und Otto Essig sowie an Susanne und Michael Späth verleihen zu dürfen. Der Gemeinderat hat dieser Auszeichnung einstimmig zugestimmt – als sichtbares Zeichen der Wertschätzung und des Dankes unserer gesamten Bevölkerung.
Im Anschluss möchte ich auf jedes der drei Ehepaare noch im Einzelnen eingehen. Zunächst aber darf ich Ihnen allen sagen: Heute Abend sagen wir bewusst und von Herzen Danke.
Gisela und Claus Clausen:
Gisela und Claus Clausen stehen in besonderer Weise für das, was es heißt, in einem Ort nicht nur zu wohnen, sondern anzukommen – und Verantwortung zu übernehmen.
Ende der 1980er-Jahre kamen beide - Kölner und Berliner - nach Schwabenheim auf den Windhof. Was zunächst ein neuer Lebensmittelpunkt war, wurde sehr schnell mehr: ein Ort, mit dem sie sich identifizierten und für den sie sich einsetzen wollten. Kontakte wurden geknüpft, Netzwerke aufgebaut, Engagement entstand – ganz selbstverständlich und ohne großes Aufheben.
Ein entscheidender Moment für ihr späteres Wirken war die Auseinandersetzung um die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Langgewann. In dieser Phase zeigte sich eine Haltung, die für Claus Clausen bis heute prägend ist: zuzuhören, Argumente ernst zu nehmen, Positionen zu überdenken – und sich dann konsequent für die Interessen Schwabenheims einzusetzen. Aus dieser Auseinandersetzung heraus entstand die Bürgerinitiative „Pro Schwabenheim“, welche in den heutigen Ortsteilverein überging.
2008 wurde der Ortsteilverein Schwabenheim e.V. gegründet, mit Claus Clausen als erstem Vorsitzenden. Von Beginn an war ihm wichtig, dem Ort eine verlässliche Stimme zu geben und einen konstruktiven Dialog mit Gemeinderat und Verwaltung zu führen. Schwabenheim sollte gehört werden – sachlich, engagiert und verbindlich.
Der Verein entwickelte sich rasch zu einer tragenden Säule des örtlichen Zusammenhalts. Die Mitgliederzahl wuchs schnell, unterschiedlichste Gruppen fanden zusammen. Veranstaltungen wie das Neckarfest, Informationsabende zur Ortsentwicklung, zur Landwirtschaft oder zur Infrastruktur machten den Verein zu einer wichtigen Kommunikationsplattform im Ort. Auch konkrete Projekte wie der Ausbau des Waagehäuschens wurden angestoßen und umgesetzt.
All dies ist untrennbar mit Gisela Clausen verbunden. Sie war und ist die gute Seele des Vereins – aufmerksam, verlässlich und stets mit dem Blick für das Miteinander. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren für die St.-Katharina-Kapelle und ist eine feste Vertrauensperson in Schwabenheim. Ihr Wirken geschah oft im Hintergrund, war aber für den Erfolg des Vereins unverzichtbar.
Dass wir Gisela und Claus Clausen heute ehren, fällt in ein besonderes Jahr: das Jubiläum der Eingemeindung von Schwabenheim nach Dossenheim. Ein Jahr des Rückblicks – aber auch des Dankes an jene, die in all den Jahren mit dazu beigetragen haben, dass Schwabenheim seine Identität bewahrt und zugleich seinen festen Platz in unserer Gemeinde gefunden hat. Gisela und Claus Clausen haben diesen Weg über viele Jahre aktiv mitgestaltet.
Es ist zugleich ein schöner und würdiger Abschluss, dass beide bei der kommenden Mitgliederversammlung den Vorsitz des Ortsteilvereins abgeben werden. Sie übergeben einen lebendigen, gut aufgestellten Verein – getragen von Zusammenhalt, Engagement und Vertrauen. Besser kann man ein Ehrenamt nicht hinterlassen.
Liebe Gisela, lieber Claus, herzlichen Dank für all das sowie auch dafür, dass bereits seit vielen Jahrzehnten ein Stück Berlin und Köln mit ganz viel Herz und Charme auf dem Schwabenheimer Hof zu Hause ist.
Angelika Hildebrandt und Otto Essig:
Angelika Hildebrandt und Otto Essig stehen für eine Form des Ehrenamts, die leise ist, aber von unschätzbarem Wert. Ein Engagement, das nicht auf Öffentlichkeit zielt, sondern auf den Menschen – ganz konkret, ganz praktisch und mit großer Beständigkeit.
Als 2014 auch Dossenheim von der großen Flüchtlingsbewegung erreicht wurde, haben sich beide von der ersten Stunde an im Asylkreis engagiert. Ohne Zögern, ohne Bedingungen und ohne zeitliche Begrenzung. Was damals als spontane Hilfe begann, ist bis heute gelebte Verantwortung geblieben – ohne Unterbrechung und ohne nachlassenden Einsatz.
Angelika Hildebrandt und Otto Essig begleiten geflüchtete Menschen durch einen oft schwierigen Alltag. Sie unterstützen bei Behördengängen, bei Arzt- und Krankenhausbesuchen, bei schulischen Fragen, in der Kinderbetreuung und bei den ganz alltäglichen Herausforderungen des Lebens. Sie helfen dort, wo Hilfe gebraucht wird – verlässlich und zugewandt.
Ein besonderer Schwerpunkt ihres Engagements ist die Sprachvermittlung. Sie geben kostenlosen Sprachunterricht, in Kleingruppen oder individuell, auch gezielt zur Vorbereitung auf Sprachprüfungen. Dabei geht es ihnen nicht nur um Sprache im engeren Sinne, sondern um Selbstständigkeit, Teilhabe und echte Integration. Sie fördern Fähigkeiten, erkennen Potenziale und begleiten Menschen auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben in unserer Gesellschaft.
Was ihr Wirken besonders macht, ist die Art und Weise, wie sie helfen. Es gibt keine festen Sprechzeiten, keine formellen Grenzen, keine Unterscheidung zwischen Werktagen, Wochenenden oder Feiertagen. Ihr Einsatz richtet sich nach der Notwendigkeit – und nach dem Menschen.
Selbst in der Zeit der Corona-Pandemie haben sie ihr Engagement nicht ruhen lassen. Mit großem persönlichem Einsatz richteten sie auf ihrem Grundstück einen Pavillon ein, um auch unter schwierigen Bedingungen einen Ort für Beratung, Austausch und Begleitung zu schaffen. Ein starkes Zeichen von Verantwortung und Kreativität in einer Zeit, in der Nähe besonders schwierig war.
Angelika Hildebrandt und Otto Essig leben ein Ehrenamt, das Haltung zeigt. Ihr Engagement hat Vorbildcharakter – für Jung und Alt, für unsere Gemeinde und weit darüber hinaus. Sie zeigen, was möglich ist, wenn Menschlichkeit, Zeit und Herz zusammenkommen.
Mit ihrem langjährigen, außergewöhnlichen Einsatz haben sich Angelika Hildebrandt und Otto Essig in besonderer Weise um Dossenheim verdient gemacht. Wenngleich auch die Strukturen der Gemeinde Dossenheim nicht mehr mit 2014 vergleichbar sind, es ist sehr schön zu wissen, dass Sie auch weiterhin an unserer Seite sowie noch viel wichtiger an der Seite Geflüchteter stehen. Herzlichen Dank im Namen von so vielen!
Susanne und Michael Späth:
Susanne und Michael Späth stehen für ein Ehrenamt, das ein ganzes Vereinsleben prägt – und weit darüber hinaus.
Der FC Sportfreunde 1910 Dossenheim war für beide über Jahrzehnte hinweg nicht nur ein Verein, sondern ein zentraler Teil ihres Lebens. Ihr gemeinsames Engagement erstreckt sich über nahezu 100 Jahre Vereinszugehörigkeit – eine Zahl, die für sich genommen schon außergewöhnlich ist, vor allem aber für Beständigkeit, Loyalität und tiefe Verbundenheit steht.
Beide haben den Verein in nahezu allen Funktionen begleitet und getragen: als Trainer, als Betreuer, in der Jugendarbeit, in organisatorischen Aufgaben und schließlich auch in verantwortungsvollen Vorstandsämtern – bis hin zum 1. Vorsitzenden. Sie haben Höhen und Erfolge ebenso erlebt wie schwierige Phasen. Was dabei immer gleich blieb: Sie haben dem Verein niemals den Rücken gekehrt.
Der FC Sportfreunde Dossenheim konnte sich über Jahrzehnte darauf verlassen, dass Susanne und Michael Späth da waren, wenn sie gebraucht wurden. Nicht nur sichtbar am Spielfeldrand oder bei Veranstaltungen, sondern oft auch im Hintergrund – dort, wo Ehrenamt besonders viel Zeit, Geduld und Verantwortung erfordert.
Besonders prägend war ihr Engagement für die Jugend. Sie haben junge Menschen begleitet, gefördert und ihnen weit mehr mitgegeben als sportliche Fähigkeiten: Gemeinschaft, Fairness, Zusammenhalt und Verlässlichkeit. Für viele Generationen war der Verein – auch durch ihr Wirken – ein Ort der Orientierung und Zugehörigkeit.
Dieses Engagement war nie eine Einzelleistung. Es war getragen von einer Familie, die den Verein mitgetragen hat. Vier Kinder wuchsen mit dem Vereinsleben auf, mit Trainingszeiten, Spieltagen, Festen und Verpflichtungen. Der Verein war Teil des Alltags – und das über Jahrzehnte hinweg.
Mit dem Eintritt in den Ruhestand aus ihren aktiven Funktionen endet nun ein ganz besonderes Kapitel im FC Sportfreunde 1910 Dossenheim. Für den Verein ist dies zweifellos ein großer Einschnitt. Gleichzeitig ist es ein Abschied, der von Respekt, Dankbarkeit und Hochachtung geprägt ist.
Susanne und Michael Späth haben ihren Verein nicht nur verwaltet oder begleitet – sie haben ihn geprägt. Mit Herz, Ausdauer und einer Haltung, die zeigt, was Ehrenamt im besten Sinne bedeutet. Und dann gab es noch Theatervorstellungen, Dinner For One und Sangeseinlagen, durchaus auch einmal zu späterer Stunde.
Ihr beide habt Euch um den FC Sportfreunde 1910 Dossenheim und um unsere Gemeinde in besonderer Weise verdient gemacht.
Heute sagen wir bewusst und von Herzen: Liebe Susanne, lieber Spatz, herzlichen Dank!“






