Neujahrsrede von Bürgermeister David Faulhaber
Erstelldatum16.01.2026
Liebe Dossenheimerinnen, liebe Dossenheimer,
liebe mit unserer Gemeinde auf vielfältige Art und Weise Verbundene und damit auch Teil unserer Gemeinschaft,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich darf Sie alle sehr herzlich zum Neujahrsempfang der Gemeinde Dossenheim begrüßen. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen unserer Einladung gefolgt sind, die ja durchaus von einem jungen, starken Mädchen aus Schweden namens Pippi Langstrumpf geprägt war. Es ist, wie bei so vielen anderen Veranstaltungen auch, ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, Engagement und Interesse an unserer Gemeinde, dass Sie in solch großer Zahl heute hier sind.
Ganz zu Beginn darf ich mich schon einmal bei den beiden „Jungbrunnen“ unserer heutigen Veranstaltung bedanken, die den Neujahrsempfang eingeleitet haben. Schön, dass wir die gelebte Ökumene in Form der Sternsinger inzwischen fest bei uns etabliert haben und auch sehr schön, dass wir heute Vormittag musikalisch durch den Männergesangverein Freundschaft verwöhnt werden.
Und ich sage es immer wieder: mit dem Besten, was Schriesheim zu bieten hat, lieber Kurt Arras!
Namentlich darf ich herzlich meinen sehr geschätzten Vorgänger, Altbürgermeister Hans Lorenz, gemeinsam mit seiner Frau Ursel begrüßen sowie ebenso herzlich unseren Ehrenringträger
Hermann Fischer. Euer beider Wirken, Euer Engagement über Jahrzehnte hinweg, steht beispielhaft für Verantwortungsbewusstsein, für den Willen, etwas bewegen zu wollen, und dies mit großer Freude und Motivation zu tun. Es ist schön, dass Ihr heute Vormittag bei uns seid und uns damit – gewollt oder nicht – auch heute noch Richtung und Orientierung gebt.
Ich begrüße außerdem sehr herzlich die Mitglieder des Gemeinderats, die Altgemeinderätinnen und Altgemeinderäte, unseren Jugendgemeinderat, die Vertreterinnen und Vertreter der Blaulichtfamilie, unsere Amtsleiterinnen und Amtsleiter, die Kreisräte sowie die anwesenden Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie die Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehende Landtagswahl.
Schon jetzt ein dezenter Hinweis:
Bitte den 8. März im Kalender markieren – und wählen gehen!
Herzlich willkommen heiße ich zudem die Vertreterinnen und Vertreter unserer vielfältigen Vereine und Organisationen, die das gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Leben in Dossenheim prägen und so lebendig machen. Ebenso begrüße ich die Vertreter unserer beiden Kirchen, die Pressevertreter, die Repräsentanten der Volksbank und der Sparkasse – und speziell zu Letzteren:
Ich glaube, ich spreche in unser aller Namen, wenn ich sage, dass es weiterhin toll ist, die Ansprechpartner für Finanzfragen von Volksbank und Sparkasse direkt im Ort zu haben und dort auch zu halten!
Ein besonderer Dank und Gruß gilt auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde Dossenheim – Sie und Ihr seid das Rückgrat unserer täglichen Arbeit und tragt maßgeblich dazu bei, dass unsere Gemeinde funktioniert und sich weiterentwickelt. Und an dieser Stelle: Ich darf nunmehr seit sieben Jahren die Vorgesetztenfunktion ausüben und der Verwaltung vorstehen. Seit sieben Jahren begleite ich unsere Organisationsentwicklung – und die verlief nicht immer im seichten Wasser. Nein, wir waren beispielsweise in der längst vergessenen Pandemie, bei haushalterischen Herausforderungen oder grundsätzlichen Fragen auch auf hoher See mit kräftigem Wellengang. Ich bin sehr stolz darauf, wie wir uns als Team der Gemeinde Dossenheim entwickelt haben. Hier gilt es auch, Dank zu sagen. Dank für die Bereitschaft, dass Sie, dass Ihr diesen Weg mitgegangen seid – und auch künftig mitgehen werdet!
Ganz besonders freue ich mich, heute erstmals die Institutsleitung des Julius-Kühn-Instituts beim Neujahrsempfang der Gemeinde Dossenheim begrüßen zu dürfen. Und wir werden Sie fortan auch häufiger beim Netzwerktreffen mit unseren Gewerbetreibenden und Unternehmen erleben. Schön, dass Sie heute hier sind, schön, dass Sie künftig aus dem Feld heraus mehr mit uns im Ort zusammenrücken – ein deutliches Zeichen für die enge Verbindung von Wissenschaft, Region und Kommune mit einer Bundesbehörde!
Meine Damen und Herren,
der Neujahrsempfang ist nun auch zum wiederholten Mal ein Neubürgerempfang. Und das ist mir besonders wichtig. Denn Dossenheim entwickelt sich fort – und zwar nicht nur in Zahlen, sondern vor allem durch die Menschen, die sich entscheiden, hier ihr Zuhause zu finden. In den vergangenen Monaten haben wir 818 Haushalte neu in Dossenheim begrüßen dürfen. 818 Haushalte, das sind 818 Geschichten, Erwartungen, Hoffnungen – und ganz bewusst auch 818 Einladungen an unsere Gemeinschaft, sich weiter zu öffnen und gemeinsam zu wachsen.
Allen Neubürgerinnen und Neubürgern, die heute hier sind, sage ich deshalb ganz ausdrücklich:
Herzlich willkommen in Dossenheim. Schön, dass Sie da sind. Schön, dass Sie Teil unserer Gemeinde geworden sind.
Für Sie alle haben wir im Anschluss an den offiziellen Teil wieder Informationsstände vorbereitet. Sie finden dort Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus ganz unterschiedlichen Bereichen unserer Gemeindeverwaltung: das Büro des Bürgermeisters, unser Jugendbüro, die Volkshochschule Dossenheim in Kooperation mit Heidelberg, unsere Gemeindebücherei. Unsere liebe Frau Nordmann vom Seniorenbüro muss ich leider krankheitsbedingt kurzfristig entschuldigen.
Dass diese Stände heute hier sind, ist nicht zufällig entstanden. Es soll sinnbildlich dafür stehen, wie ich mir, wie wir uns Dossenheim als Verwaltung vorstellen: kurze Wege, offene Türen, direkte
Ansprechpartner und die Einladung, sich einzubringen – ganz gleich in welchem Lebensalter oder in welcher Lebensphase. Nutzen Sie daher bitte im Anschluss die Gelegenheit zum Austausch, stellen Sie Fragen, kommen Sie ins Gespräch und nutzen Sie unsere Angebote nicht nur heute.
Gefühlt einmal im Kreis gedreht und schon ist wieder ein neues Jahr da. Eine Welt, in der alles irgendwo aus der Bahn gerät, Unordnung zu herrschen scheint, Unsicherheit, vielleicht auch in Teilen nur zögerliches Anpacken. Was passiert dann gelegentlich, wenn man gefühlt hilflos und passiv derlei Entwicklungen gegenübersteht? Man zieht sich zurück, igelt sich ein, möchte in einer sicheren, vertrauten Umgebung sein. Das ist nachvollziehbar, das ist menschlich, aber es ist meines Erachtens nicht der richtige Weg. Gerade dann ist es unabdingbar, aufeinander zuzugehen, füreinander da zu sein, auch gegenteilige Meinungen auszuhalten und sich eben nicht zu isolieren.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, genau dies habe ich bei uns erlebt. Genau dies macht uns als 12.500-Einwohner-Gemeinde an der Bergstraße gelegen aus. Doch ist das kein Selbstläufer, geschieht dies nicht, indem es die anderen tun. Und ehe ich nun gleich auf vergangene und künftige Entwicklungen eingehe, nehmen Sie bitte nochmals die Botschaft der kleinen Pippi aus der Villa Kunterbunt mit: „Warte nicht darauf, dass die Menschen dich anlächeln. Zeige ihnen, wie es geht! Und keine Sorge: Es tut nicht weh, es tut gut, es gibt Sicherheit, es ordnet unser Zusammenleben.“
Die große Weltpolitik ist schwierig zu verstehen und könnte doch so einfach sein, wenn man die Welt öfter aus den Augen eines rothaarigen Mädchens sehen würde.
Lassen Sie uns Rückblick halten:
Ein über viele Wochen und Monate beherrschendes Thema war natürlich der Bürgerentscheid zum Thema Windkraft. Mit etwas Abstand haben wir – und ich betone nochmals wir – das sehr ordentlich gemacht. Wir sind vernünftig und auch in der Intensität klug mit dem Thema und auch miteinander umgegangen. Dazu wurde jetzt schon vieles geschrieben und noch mehr gesagt, weshalb ich es nicht nochmals wiederholen möchte. Wir werden uns mit dem gleichen Engagement nun auf den weiteren Weg machen und auch künftig die kritischen Stimmen hören. Wir werden bei diesem generationenübergreifenden Thema weiterhin umsichtig und doch mit der gebotenen Entschlossenheit und Tatkraft umgehen.
Tatsächlich habe ich jedoch den vernünftigen Umgang miteinander über die Ortsgrenzen von Dossenheim und Schriesheim hinaus sowie ganz besonders in den sozialen Medien, in der gefühlten Anonymität des Internets, vermisst. Und dies wiederum bereitet mir Sorge – Sorge in Bezug auf künftige Themen der Bundes- und Landespolitik. Doch was können wir tun? Hadern, verzagen, dass alles schlechter wird? Genau nicht: vernünftig bleiben, auf Augenhöhe miteinander sprechen, das Gegenüber wertschätzen.
Manche von Ihnen werden wissen, dass ich auch eine deutliche Präsenz in unterschiedlichen sozialen Medien hatte. Ich sehe es heute tatsächlich differenziert. Es ist eine große Möglichkeit auch für Kommunen, Informationen zu veröffentlichen und in einen direkten Austausch zu gehen. Das werden wir als Gemeinde Dossenheim auch weiterhin mit der gebotenen Intensität tun. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass die unterschiedlichen Angebote mittlerweile deutlich mehr spalten, als Menschen zusammenzubringen. Es gibt nur noch Schwarz und Weiß, richtig und falsch, ja fast gut und böse. Das ist als Gesellschaft nicht der Weg, den wir gehen sollten. Wir werden auch diese Entwicklung nicht aufhalten können. Doch tut es gut, sich auch einmal kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Ein weiteres Thema im Rückblick war die Baustellensituation in Dossenheim. Und ja, niemand war und ist von Baustellen begeistert – mit Ausnahme von Kindern, die Baggern bei der Arbeit gerne zusehen. Doch, meine Lieben, man kann Glasfaserkabel, Bachverdolungen oder neuen Wohnraum noch nicht in die Erde zaubern. Und daher werte ich dies als eine überschaubare, zeitlich befristete Einschränkung, die dann jedoch zu einem wesentlich besseren Zustand als zuvor führt. Man kann es bereits jetzt am „Eingang zum Rathausplatz“ zwischen Bahnhof- und Friedrichstraße sehen und wird es auch künftig an der Datengeschwindigkeit dank Glasfaser bemerken. Ich wünsche mir zukünftig weniger Aufschreie, welche sich dann im Fortgang als gar nicht so dramatisch darstellen.
Als Beispiel ist hier die halbseitige Sperrung der B3 – eben zur Schaffung von Wohnraum – genannt. Mit welchen Aussagen und Forderungen mussten wir uns und speziell auch die Schule auseinandersetzen? Und jetzt? Aufschrei, Emotionen, Schlagzeilen sind verhallt, und der Verkehr fließt, Kinder kommen sicher in die Schule. Auch über dieses Thema hinausgehend würde uns mitunter etwas mehr Gelassenheit, dem Vertrauen auf Entscheidungsträger, gut zu Gesicht stehen – ganz besonders in einer ohnehin schon aufgeheizten Welt.
Zwei überaus erfreuliche Ereignisse möchte ich nicht unerwähnt lassen: das 100-jährige Jubiläum der Eingemeindung von Schwabenheim nach Dossenheim. Dies war – mit dem Höhepunkt des Straßenfestes – ein, wenn nicht das absolute Highlight im vergangenen Jahr. Es zeigte den Schwabenheimer Hof so wie er war, so wie er ist, mit seinem ganz unverwechselbaren Charme.
Und es zeigte ein vorzügliches Zusammenspiel aller Beteiligten, ehrenamtlich und auch hier im Rathaus befindlicher Personen. Und ein weiteres Highlight für mich war die erst kürzlich stattgefundene Ehrung und Verleihung der Bürgermedaille an drei Ehepaare aus thematisch unterschiedlichen Bereichen. Einerseits war es sehr schön, dieses ehrenamtliche Engagement in solch feierlichem Rahmen zu würdigen. Andererseits war es mindestens genauso schön, die Freude und Rührung der Geehrten in deren Augen zu sehen.
Ich würde es Ihnen sehr gerne ersparen, kann es jedoch nicht: Die haushälterische Situation unserer Gemeinde, nahezu aller Kommunen – mit Ausnahme vielleicht von Walldorf – ist und bleibt weiterhin angespannt und in struktureller Schieflage. Wir sind sehr dankbar, dass die Bundesmilliarden nunmehr in Form von immerhin 8,1 Millionen Euro den Weg nach Dossenheim gefunden haben. Investitionsmittel, die wir dringend benötigen und die – nach allem, was wir bisher wissen – auch unbürokratisch abgerufen werden können. Sehr gut und wichtig. Doch das strukturelle Problem wird hierdurch längst nicht erledigt.
Gestatten Sie mir ein paar wenige Zahlen: Im direkten Vergleich der Jahre 2020 zu 2025 sind unsere Einnahmen, überwiegend Schlüsselzuweisungen und Steuereinnahmen, um ca. 2,2 Mio. EUR gestiegen. Hervorragend – wären da nicht unsere Ausgaben, die allein im direkten Vergleich dieser beiden Jahre um 7,1 Mio. EUR gestiegen sind. Wohlgemerkt liegen da noch vier Jahre dazwischen, in welchen es ähnlich aussieht. Unsere mittlerweile größten Ausgabepositionen sind mit ca. 7,5 Mio. EUR die Kinderbetreuung sowie mit 6,8 Mio. EUR die Kreisumlage. Schon alleine diese Zahlen lassen die vorherigen 8,1 Mio. EUR Bundesmilliarden, welche ausschließlich für Investitionen vorzusehen sind, relativiert erscheinen.
Gestatten Sie mir noch, einen Wert auf Kreisebene zu nennen, bei welchen Ausgaben und Aufgaben wir immer 1:1 beteiligt sind. Der Kreishaushalt verfügt in Summe in etwa über 1 Milliarde EUR.
Von dieser Milliarde sind ca. 550 Millionen EUR im Sozialhaushalt verortet. Auch daher ist es für uns als Kommune bei künftigen Ausgaben elementar, zwischen investiven und konsumtiven Ausgaben zu unterscheiden. Wieso denke ich das? Für mich oder für unsere Generation? Ein klares Nein! Für künftige Generationen. Wenn wir diesen eine sanierte Bachverdolung für ca. drei Millionen Euro übergeben, hat dies Bestand, dann ist dies ein Wert eben auch für künftige Generationen. Wenn wir jedoch Finanzmittel in der Gegenwart verbrauchen, also konsumieren, ohne dass dafür etwas Greifbares und in die Zukunft Gerichtetes entsteht, geben wir kommenden Generationen nur eines mit: weniger Spielräume – oder Schulden.
Ich weiß sehr wohl, dass es hierzu auch andere Sichtweisen gibt, über die es zu diskutieren gilt – ich bin mir jedoch sehr gewiss, dass wir dies im Gemeinderat und innerhalb unserer Bevölkerung mindestens genauso vernünftig tun werden wie bei allen anderen Themen bisher.
Doch lassen Sie mich noch zu einer erfreulichen Zahl kommen, die belegt, wie vernünftig wir – also Gemeinderat, Verwaltung und Bürgermeister – in den vergangenen Jahren mit dem Haushalt umgegangen sind. Wir konnten den Schuldenstand der Gemeinde Dossenheim von ca. 1,7 Mio. EUR auf nunmehr unter 1 Mio. EUR reduzieren. Und dies trotz notwendiger Investitionen in den unterschiedlichsten Bereichen!
Was steht im Jahr 2026 unmittelbar an?
Wir werden große Maßnahmen abschließen: die Entsiegelung und Neugestaltung des Schulhofs in der Kurpfalzschule. Die verlegte Glasfaser wird hell werden, wenn die Hausanschlüsse ertüchtigt sind. Wir werden das Regenrückhaltebecken unterhalb der Schauenburg abschließen können und auch beim Haus der Begegnung werden wir ein bedeutendes Stück weiterkommen. Gleichzeitig laufen weitere Planungen an und weiter: für ein zweites dringend benötigtes Regenrückhaltebecken am Mühlbach, also hinter dem Waldfrieden. Wir müssen uns endlich auch mit dem Rathaus befassen, da es mittlerweile in einem doch schwierigen Zustand ist. Wir werden im Spätjahr 2026 mit den Baumaßnahmen für die zweite Hauptwasserleitung aus Heidelberg als Redundanz für unsere bisher einzige Leitung beginnen – ein ebenfalls bedeutendes Infrastrukturvorhaben. Und wir werden uns auch mit dem künftigen Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten unserer beiden Grundschulen auseinandersetzen. Auch diese Entscheidung ist schließlich daran geknüpft, wie es mit der Ertüchtigung der Neubergturnhalle weitergehen wird.
Meine Damen und Herren,
beim vergangenen Neujahrsempfang habe ich Ihnen zugesagt, dass wir uns als Gemeinde ganz konkret um Verwaltungsvereinfachung und Entbürokratisierung kümmern werden. Nicht als Schlagwort, sondern als klarer Arbeitsauftrag. Zehn Maßnahmen habe ich angekündigt – und heute kann ich mit Überzeugung sagen: Diese Zusage haben wir eingehalten, ich meine sogar übertroffen.
Dabei geht es uns nicht um Digitalisierung um der Digitalisierung willen, sondern um spürbare Verbesserungen im Alltag – für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für unsere Mitarbeitenden in der Verwaltung.
Ein sehr greifbares Beispiel ist der digitale Friedhof, der noch im Januar online gehen wird. Angehörige können sich von zu Hause aus informieren: Wo befindet sich ein Grab? Welche Grabarten gibt es, wo sind freie Grabstätten? Das erspart Wege, reduziert Behördengänge und ist gerade in emotional belastenden Situationen eine echte Entlastung.
Ein weiterer Bereich betrifft einen dann sehr erfreulichen Anlass: Eheschließungen. Künftig können Termine für die Anmeldung der Eheschließung online gebucht und gleichzeitig Wunschtermine reserviert werden. Das bringt Planungssicherheit und spart Zeit. Weniger Telefonate, weniger Rückfragen, mehr Klarheit.
Auch unsere Vereine profitieren konkret von Entbürokratisierung. Mit dem neuen digitalen Hallenbuchungssystem können Nutzungen künftig zentral und online gebucht werden. Das bedeutet: keine Vielzahl einzelner Verträge mehr, weniger Abstimmungsaufwand, klare Prozesse und mehr Übersicht. Ehrenamt wollen wir unterstützen – nicht durch Bürokratie ausbremsen.
Doch Entbürokratisierung findet nicht nur dort statt, wo sie sichtbar ist, sondern auch im Inneren der Verwaltung – und wirkt von dort nach außen.
So haben wir einen elektronischen Rechnungsworkflow eingeführt. Rechnungen werden heute schneller bearbeitet, Fehlerquellen reduziert und Skonti besser genutzt. Das spart Zeit, Geld und trägt zu einer verantwortungsvollen Haushaltsführung bei – gerade in finanziell anspruchsvollen Zeiten.
Ein weiteres zentrales Thema ist Barrierefreiheit. Unsere Dokumente auf der Homepage werden schrittweise barrierefrei überarbeitet. Im Bereich IT-Sicherheit und Arbeitsorganisation haben wir mit moderner IT-Management-Software neue Standards gesetzt. Sicherheitslücken können zentral und schnell geschlossen, neue Rechner automatisiert eingerichtet werden. Das sorgt für stabile Systeme, weniger Ausfälle und effizientere Abläufe – was sich am Ende auch positiv auf Bearbeitungszeiten und Servicequalität auswirkt. Ein echter Fortschritt ist zudem der Einsatz von KI-gestützter Protokollierung. Sitzungen können automatisch transkribiert und zusammengefasst werden. Was früher mehrere Tage gedauert hat, ist heute in wenigen Stunden erledigt – datenschutzkonform und zuverlässig. Das entlastet unsere Mitarbeiter erheblich. Hinzu kommen zahlreiche papierlose Prozesse: digitale Personalakten, digitales On- und Offboarding, vollständig digitale Zeiterfassung, digitale Führerscheinkontrollen, digitale Krankmeldungen, Abrechnungen und die Online-Beteiligung des Personalrates. Papierberge, Mehrfacherfassungen und unnötige Wege gehören zunehmend der Vergangenheit an.
Auch für Bürgerinnen und Bürger gibt es spürbare Erleichterungen:
Förderanträge im Ökologieprogramm können online und niedrigschwellig gestellt werden. Bebauungspläne sind digital verfügbar, sodass Bauherren und Planer sich frühzeitig informieren können. Künftige Bauleitpläne werden daraufhin überprüft, wo Verfahren vereinfacht oder beschleunigt werden können.
Meine Damen und Herren,
Entbürokratisierung bedeutet für uns nicht weniger Sorgfalt, sondern mehr Klarheit, mehr Tempo und mehr Service. Sie schafft Freiräume – für Gespräche, für Beratung und für Lösungen. Das war kein einmaliges Projekt. Das ist ein Weg, den wir konsequent weitergehen werden. Und es darf gleichzeitig Beweis für übergeordnete Ebenen sein: Es geht!
Jetzt stehen Sie schon sehr lange, und das weitere Programm sitzt mir ebenfalls im Nacken. Deshalb bitte ich Sie noch um Aufmerksamkeit für einen letzten, persönlichen Punkt meiner diesjährigen Rede.
Wie Sie vielleicht wissen oder es Ihnen heute Vormittag aufgefallen ist: Ich bin nun schon seit sieben Jahren Bürgermeister von Dossenheim. Dies bedeutet nach Adam Riese, dass im Jahr 2027 schon wieder die nächste Bürgermeisterwahl ansteht. Ich wurde in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder darauf angesprochen. Und ich hörte auch immer wieder, dass mein Name als Oberbürgermeister in einer anderen Kommune entlang der schönen Bergstraße gehandelt wurde. Das freut mich einerseits, da es auch Ausdruck ist, welch gute Arbeit WIR gemeinsam in Dossenheim in den vergangenen Jahren geleistet haben. Ich sage Ihnen heute jedoch ganz eindeutig, dass ich nicht für das Amt des Oberbürgermeisters in Weinheim zur Verfügung stehe oder danach strebe – wenngleich auch dies eine sehr interessante und reizvolle Aufgabe sein könnte. Und zuvorderst, aus Respekt vor diesem Amt und dem amtierenden Oberbürgermeister Manuel Just, sei gesagt, dass die Wahl des Landrates im Februar zuerst noch ansteht. Ich bin jedoch zutiefst davon überzeugt, dass der momentane Weinheimer Oberbürgermeister hier in bester Weise die hohen Anforderungen eines Landrates erfüllen würde.
Zurück nach Dossenheim. Wie Sie meinen Ausführungen entnehmen können, haben wir vieles vor. Wir haben Herausforderungen vor uns, die es im Benehmen mit Gemeinderat, Verwaltung und unserer Bevölkerung anzugehen gilt. Vielleicht haben Sie es auch heute bemerkt: Das Amt macht mir weiterhin sehr viel Spaß, es erfüllt mich, ich brenne für die vor uns liegenden Aufgaben. Doch geht es niemals um eine einzelne Person oder den Bürgermeister allein. Es geht um das Fitting, um das Zusammen- und gemeinsame Wirken. Und daher werde ich mit bewusst viel Vorlauf das Gespräch mit allen Parteien und Wählervereinigungen suchen – so, wie ich es im Übrigen all die Jahre bereits immer wieder getan habe. Nochmals: Es geht niemals um eine einzelne Person. Und dennoch sage ich Ihnen und Euch sehr klar – wie es auch in anderen Themen meine Herangehensweise war und sein wird: Ich möchte auch weiterhin Bürgermeister von Dossenheim sein. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, den erfolgreich beschrittenen Weg fortzusetzen, das Miteinander an erste Stelle zu setzen und damit vor uns liegende Herausforderungen, ja vielleicht auch schwierige Entscheidungen, anzugehen.
Ich war und bin sehr gerne Ihr Bürgermeister und möchte dies auch bleiben.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und nochmals uns allen ein gutes, gesundes sowie friedvolles Jahr 2026!


