Eröffnung der Sonderausstellung „Keltische Handschiebemühlen aus Dossenheimer Porphyr“
Erstelldatum04.04.2026
Die historische Werkhalle des ehemaligen Steinbruchs Leferenz, der seit einigen Jahren auch den Dossenheimer Steinbruchmuseumshof beheimatet, war am 22. März Anziehungspunkt für zahlreiche geladene Gäste und Interessierte.
Die Gemeindeverwaltung und der Heimatverein hatten geladen. Bürgermeister David Faulhaber und Helmut Groß als Vertreter des Heimatvereins begrüßten die etwa 70 Zuhörenden, darunter Alt-Bürgermeister Hans Lorenz.
Bürgermeister David Faulhaber begrüßte die Anwesenden:
„Ich darf Sie heute ganz herzlich hier im Museumsbereich des ehemaligen Steinbruchs Leferenz willkommen heißen – zu einer ganz besonderen Ausstellung an einem ganz besonderen Ort. Wer hier im Steinbruch steht, der spürt sehr schnell: Dieser Ort erzählt Geschichte. Und zwar nicht nur im Kopf, sondern ganz unmittelbar. Man sieht die Felswände, man erahnt die Dimensionen – und man bekommt ein Gefühl dafür, unter welchen Bedingungen hier gearbeitet wurde. Harte, körperliche Arbeit, Tag für Tag. Arbeit, die unsere Landschaft geprägt hat – und die auch unsere Gemeinde geprägt hat. Der Steinbruch führt uns seit jeher vor Augen, mit welcher Kraft, Ausdauer und auch Entbehrung unsere Vorfahren hier tätig waren. Er ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie eng das Leben der Menschen mit dem Rohstoff, mit dem Gestein, mit der Natur verbunden war. Und genau hier schließt sich heute ein ganz besonderer Kreis. Denn mit dieser Ausstellung schauen wir noch einmal deutlich weiter zurück – etwa 2.500 Jahre. Wir sehen: Lange bevor hier industriell gearbeitet wurde, haben bereits andere Menschen an diesem Ort gelebt, gearbeitet und ihre handwerklichen Fähigkeiten eingesetzt. Die keltischen Handschiebemühlen aus Dossenheimer Porphyr zeigen uns genau das. Sie sind Ausdruck von handwerklichem Können, von Wissen über Materialien – und von einem Alltag, der ebenfalls von Arbeit geprägt war. Vielleicht nicht im großen Maßstab des späteren Steinbruchs, aber doch mit derselben grundlegenden Verbindung: Mensch und Stein.
Was mich dabei besonders beeindruckt, ist diese Kontinuität: Über Jahrtausende hinweg nutzen Menschen hier den gleichen Rohstoff. Sie formen ihn, sie bearbeiten ihn, sie machen ihn zu einem Teil ihres Lebens. Und wir stehen heute hier – und können diese Spuren noch sehen und verstehen. Der Steinbruch erzählt uns also nicht nur von den letzten Jahrhunderten. Durch diese Ausstellung wird er zu einem Ort, der uns eine viel längere Geschichte offenbart – eine Geschichte von Arbeit, von Handwerk und vom Leben in und mit dieser Landschaft. Dass wir diese Geschichte heute so anschaulich erleben können, ist keineswegs selbstverständlich. Mein herzlicher Dank gilt daher dem Heimatverein Dossenheim sowie allen Beteiligten, die diese Ausstellung mit großem Engagement vorbereitet haben.
Last but not least geht ein ganz besonderer Dank an Beate Biazeck und Knut Hüneke. Knut Hüneke ist als Steinbildhauer seit vielen Jahren eng mit dem Dossenheimer Porphyr und dem Steinbruch verbunden. Er arbeitet ganz praktisch mit dem Material, das auch schon unsere Vorfahren genutzt haben – und macht damit Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Gemeinsam mit Beate Biazeck engagieren sich beide in außergewöhnlicher Weise für die Vermittlung dieses Wissens. Sie schlagen damit eine Brücke über Jahrtausende hinweg – von den keltischen Funden bis in unsere heutige Zeit. Dass wir diese Ausstellung heute so anschaulich erleben können, ist ganz wesentlich ihr Verdienst.
Meine Damen und Herren, diese Ausstellung lädt uns ein, genauer hinzusehen – und vielleicht auch ein Stück weit demütig zu werden. Sie zeigt uns, auf welchem Fundament unsere heutige Gesellschaft steht: auf der Arbeit vieler Generationen vor uns. Eine Erkenntnis, die wir – gerade auch mit Blick auf unsere heutige Zeit – durchaus wieder stärker in den Mittelpunkt rücken sollten. Ich lade Sie herzlich ein, sich auf diese Reise einzulassen, die Exponate zu entdecken, den Vorträgen zu folgen und im Anschluss auch selbst aktiv zu werden. Ich freue mich sehr, dass Sie heute hier sind, und wünsche uns allen eine spannende und eindrucksvolle Ausstellung.“
Nach Bürgermeister David Faulhaber berichteten die Dozenten des Landesamts für Denkmalpflege, Stuttgart, Dr. Sven Jäger und Dr. Inga Kretschmar, welche Bedeutung der Dossenheimer Porphyr im Allgemeinen und die Handschiebemühlen im Speziellen zur damaligen Zeit für die Kelten, das nähere Umland und den ganzen südwestdeutschen Raum besaßen. Die verbreitete Nutzung des Dossenheimer Porphyr ist durch zahlreiche archäologische Funde der letzten Jahrzehnte belegt. Diese von Hand gefertigten Handschiebemühlen, die sich über Jahrtausende im Boden erhalten haben und nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, verschifften die Kelten über Neckar und Rhein auch in entferntere Gebiete.
Knut Hüneke, Steinbildhauer und Künstler in Dossenheim, lud die Besucher anschließend dazu ein, die von ihm selbst hergestellten Repliken dieses einst lebenswichtigen Alltagsgegenstands selbst einmal praktisch auszuprobieren. Das Publikum konnte sich somit selbst ein Bild vom Alltag einer keltischen Familie zwischen dem 6. und 3. Jahrhundert vor Christus – der Hochzeit der Kelten an der Bergstraße – machen.
Die Gemeinde Dossenheim und der Heimatverein möchten der interessierten Bevölkerung nun die Möglichkeit bieten, in den Alltag der Menschen vor 2500 Jahren einzutauchen. Daher findet am 12. April von 13:30 Uhr bis 16:00 Uhr im stillgelegten Steinbruch Leferenz, Am Neuberg 31 der Tag der offenen Tür statt.
Die Dossenheimer Bevölkerung ist dazu recht herzlich eingeladen.
In den kommenden Monaten und Jahren werden weitere Öffnungstage angeboten und bekanntgegeben.




